HERZkind Triska


Lebenslauf von Triska (2 1/2 Jahre, Stand: Dezember 2008)

Herzkind Triska ist ein Energiebündel

Die  Heute Zweijährige kam mit schwerem Herzfehler zur Welt / Eltern schöpfen Kraft aus der Lebensfreude ihrer Tochter

Das erste Lebensjahr war geprägt von schwerenOperationen. Familie,Freunde und der Verein Herzkinder unterstützen die Stedesdorfer.


Von Klaus-Dieter Heimann (Chefredakteur des "Anzeiger für Harlingerland")
Auszug aus dem "Anzeiger für Harlingerland" vom 24.12.2008

Triska

 Stedesdorf/kdh – Mit kräftigem Schwung steuert Triska ihren Roller durch den Hausflur. Die Zweijährige strahlt  Lebensfreude und Energie aus. „Ja, man sieht es ihr nicht an. Triska ist ein echtes Energiebündel“, sagt ihre Mutter Birgit.

Aber Triska ist auch krank – schwerkrank. Am 13. Mai 2006 kam das Mädchen zur Welt. Die Hausgeburt verlief ohne Komplikationen, doch am achten Lebenstag waren die Eltern alarmiert: Blaue Lippen als unverkennbares Zeichen einer Sauerstoff-Unterversorgung ließen Birgit und ihren Mann Karsten ins Krankenhaus nach Aurich eilen. Die Ärzte erkannten die lebensbedrohliche Situation, sofort ging es zunächst in eine Oldenburger Klinik, dann per Rettungshubschrauber in die Kinderherzklinik Kiel.

Die Ursache für Triskas dramatischen Zustand stand inzwischen fest: Hypoplastisches Linksherz-Syndrom  (HLHS) lautete die niederschmetternde Diagnose. Das HLHS ist der schwerste angeborene Herzfehler, der unbehandelt in der Neugeborenenzeit häufig zum Tode führt.

Schon vor dem Abflug nach Kiel hatten die Ärzte den Eltern wenig Hoffnung gemacht. Die Chancen lägen bei 30 Prozent, dass sie den Flug überlebt, hieß es. „Man hat uns gesagt, dass wir unsere Tochter eventuell nicht lebend wiedersehen“, blickt die Mutter zurück. Ihre kleine Tochter spielt unterdessen vergnügt mit ihrer drei Jahre älteren und kerngesunden Schwester Sina. „Wir sind sehr glücklich, dass wir in diesem Jahr viel zu Hause sein können“, wirft Birgit beim Blick auf die Kinder ein. 2006 hingegen bleibt als das Jahr mit den schweren Operationen in Erinnerung. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Triska ein Lungenflügel seinen Dienst versagt. „Wirklich, die Fußball-Weltmeisterschaft war uns allen damals völlig egal.“

 Von Mitte Mai bis Anfang Oktober 2006 waren Mutter und Tochter in Kiel. Triska wurde in mehreren Schritten operiert, um das kranke Herz überhaupt in die Lage zu versetzen, das Blut in den Kreislauf zu pumpen. Beim HLHS ist die linke Herzkammer unterentwickelt (Hypoplasie), die Pumpleistung allein der rechten Kammer muss ausreichen.

Allein die Tatsache, dass Triska die ersten Tage zu Hause überlebt hat, grenzt an ein Wunder: Wird der Herzfehler in der Schwangerschaft entdeckt, entbinden die Frauen in aller Regel bereits in einer Spezialklinik, damit eine erste Operation sofort erfolgen kann.

„Wir haben ein starkes Mädchen“, ist Birgit dankbar, dass Triska ihre ersten Lebenstage auch ohne optimale medizinische Versorgung  überstehen konnte. Auf einem Regal im Wohnzimmer der Stedesdorfer Familie stehen die Bilder von zwei Babys. „Kleine Freunde aus dem Krankenhaus, die bereits an ihrer Herzkrankheit verstorben sind.“ Diese Erklärung von Mutter Birgit macht klar, dass Triskas Leben nach wie vor an einem seidenen  Faden hängt.  Dass der Sommer 2008 und auch die Wochen vor dem Weihnachtsfest vergleichsweise unbeschwert und normal verlaufen sind, erfüllt die Eltern und Schwester Sina mit Freude. „Wir genießen diese Momente. Die Lebensfreude, die Triska ausstrahlt, steckt alle an.“

Das kleine Mädchen, das  sich auf ihr erstes bewusst erlebtes Weihnachtsfest freut, wird auch die kommenden medizinischen Eingriffe immer bewusster wahrnehmen. Triskas Eltern sind dabei, ihr Kind und sich selbst darauf einzustellen. Auch über eine Herztransplantation als letzte Chance sprechen die Eltern. Unterstützt werden Birgit und Karsten von ihrer Familie, von Freunden und vom jungen Verein „Herzkinder Ost-Friesland“. Anfang Juli 2007 haben sich Eltern betroffener Kinder auf Initiative des Auricher Herzspezialisten Dr. Rainer Willing (Chefarzt für Kinderkardiologie und Neonatologie am Auricher Ubbo-Emmius-Krankenhaus) zusammengefunden und den Verein gegründet. „Wir helfen uns gegenseitig, informieren über die verschiedenen Krankheitsbilder und versuchen auch, fianzielle Härten aufzufangen“, sagt Thorsten Müller, zweiter Vorsitzender des Vereins und Vater eines herzkranken Sohnes. „Wir leben jeden Tag mit dem Tod“, erklärt Müller die Ausnahmesituation der Betroffenen, die auch außerhalb langer Klinikphasen immer wieder mit schweren Rückschlägen leben müssen. Bedingt durch die Krankheit leidet Triska häufig an Bronchitis, auch lebensbedrohende Lungenentzündungen blieben in der Vergangenheit nicht aus. Täglich muss sie Gerinnungshemmer einnehmen.

 Für Birgit und Karsten ist der Halt durch den Verein besonders wichtig. „Hier werden wir aufgefangen, wenn wir selbst nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.“

Nach dem „sehr guten Sommer 2008“ sind die Eltern von Triska zuversichtlich, dass sich der Zustand ihrer Tochter weiter stabilisiert. Sie blicken in die Zukunft, wünschen ihrem Kind, dass es vielleicht schon im nächsten Jahr in den  Kindergarten gehen kann. Trotz der vielen Monate in der Klinik und immer wieder auftretenden Komplikationen hat sich Triska gut entwickelt. Sie düst auf dem Dreirad mit Tempo über den Flur direkt ins Spielzimmer. Die Ärmel ihres Pullovers hat sie hochgeschoben, die Augen funkeln. Tatendrang, Lebensfreude pur. Mutter Birgit ist entspannt: „Aus ihrer Energie schöpfen wir unsere Kraft.“