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Podiumsdiskussion zum BHVK-Jubiläum Freitag, 16.3.2018

Mitschrift zur Podiumsdiskussion zum BHVK-Jubiläum Freitag, 16.3.2018

BHVK-Jubiläum Freitag, 16.3.2018

Freitag, 16.3.2018 18-19:00 Uhr

Teil 1: Podiumsdiskussion „Fall ins Betreuungsloch“ zur Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)-Versorgung

-       Prof. Dr. med. Ingo Dähnert, Leipzig, (Vize-Präsident Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie (DGPK) Task-Force EMAH): Die Task-Force beschäftigt sich mit der Definition passender Versorgungsstrukturen (17 Zentren, 7 Praxen, 2 Schwerpunktkliniken betreffend).

-       Prof. Dr. med. Georg Leipold, Regensburg, (DGPK 2.Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Kinderkardiologen e.V. (ANKK)): Die meisten EMAH-Ärzte sind Kinderkardiologen. Diese erhalten teilweise im Unterschied zu den Erwachsenen-Kardiologen mit EMAH-Zertifizierung keine entsprechende Vergütung. Gesundheitspolitik ist Ländersache, es gibt keine bundesweite Versorgungsstruktur. Der Antrag beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wurde abgelehnt. Ein Antrag beim Ärztetag ist angenommen worden.

-       Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke Lübeck (MdB CDU), erste Herzchirurgin im Bundestag): Die EMAH-Zusatzbezeich­nung allein reicht nicht. Frau Schmidtke verweist auf den Schriftwechsel zwischen Hermann Gröhe ((CDU) von Dezember 2013 bis März 2018 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel III) und Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer) und hält dieses Vorgehen für vielversprechend.

-       Josef Neumann Wuppertal (MdL NRW SPD) (Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, auch Inklusionsbeauftragter): Geistig Behinderte (hebt immer wieder darauf ab) haben noch gravierendere Probleme.
Das Bund und Länder betreffende Thema muss auf die politische (nicht: parteipolitische) Agenda, evtl. könnten wir ein Fachgespräch oder parlamentarische Debatte anstreben und/oder bei einem parlamentarischem Frühstück auf das Problem hinweisen. 99 % der Bevölkerung kennen das Problem nicht.
Es gab vor einigen Monaten eine Petition an den Landtag in diesem Bereich. Die Problembearbei­tung entspricht nicht einem Sprint sondern einem Langstreckenlauf. Er bietet an, die anderen Fraktionskollegen (die gesundheitspolitischen Sprecher) in NRW ins Boot zu holen.

-       Daniela Seek Berlin (Vorstandsmitglied Bundesvereinigung Jugendliche und Erwachsene mit angeborenem Herzfehler e. V. JEMAH): Kulanzregelungen gelten in Berlin inzwischen nicht mehr. Teilweise müssen Betroffene die Kardiologenrechnungen privat bezahlen. Die Situation führt zu einem Run auf das DHZ Berlin. Viele EMAH sind mit der Behandlung durch Erwachsenenkardiologen unzufrieden.

 

Diskussionsrunde:

-       Thomas Müller (Geschäftsführer Nachsorgeklinik Tannheim): unterstützt die Forderung nach einer Verbesserung der Situation.

-       Prof. Dr. med. Ingo Dähnert: Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung ist wichtig. Hierfür wurde bereits eine neue Abkürzung kreiert und es wird dazu gearbeitet: VEmaH = Versorgungssituation Erwachsener mit angeborenen Herzfehlern

-       Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke: Moniert, dass Berlin nicht bei der Studie dabei ist Sie vermisst die Vertreter der Kassen. Wie bekommt man es hin die Erwachsenenkardiologen zu qualifizieren?

-       Prof. Dr. med. Sandra Eifert München (Klinikum Universität München): Die Kassen berufen sich bei Anfragen auf die Regelungen der Politik. Daher muss die Problemlösung politisch erfolgen.

-       Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke: Es gibt Innovationsgelder, die beantragt werden können, z.B. beim G-BA.

-       Josef Neumann: Es werden Daten, Zahlen und Fakten benötigt. Zum Beispiel: Wie findet die Ausbildung an Schulen/Universitäten statt, wenn es um spezielle Angebote geht? Oft fehlt noch das Verständnis, dass es eine gesonderte Form der Versorgung geben muss. Das kostet in der Regel mehr. Viele, die sich nicht artikulieren (z.B. geistig Behinderte), können sich nicht durchsetzen. Es fehlen strukturierte Beratungsangebote. Oft werden nur Strukturen für die geschaffen, die am lautesten schreien.

-       Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer,München (Deutsches Herzzentrum): Es gibt erste Daten: Von den 300.000 EMAHS sind ca. 250.000 nicht an eine passende Versorgung angebunden.

-       Kai Rüenbrink, Frankfurt (Leiter Kinderherzstiftung) plädiert für ein gemeinsames Auftreten im/als AB-AHF.

 

Abschlussfrage: Wenn eine Fee käme und wir hätten einen Wunsch frei …

 

-       Prof. Dr. med. Ingo Dähnert: Die EMAH-Versorgung sollte genauso gut werden wie die von betroffenen Kindern, egal wer sie macht, wie sie bezahlt werden, wie die Strukturen sind.

-       Prof. Dr. med. Georg Leipold: Jeder EMAH-Patient sollte langfristig gut versorgt werden. Kurzfristig wünscht er sich eine schriftliche Unterstützung der Elternverbände und der Fachgesellschaften, um an die entsprechenden Gremien herantreten zu können.

-       Daniela Seek: Hand-in-Hand-Kooperation der Patientenverbände für eine einheitliche Lösung für Deutschland.
Josef Neumann: Petitionen an den Petitionsausschuss zu Problemen der Finanzierung durch die Krankenkassen. Er ist zuversichtlich, dass die Politik sich des Themas proaktiv annimmt.

-       Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke: Sie wird mit Jens Spahn MdB CDU (seit März 2018 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV) über das Problem sprechen. Sie will auch ihre Kontakte zu Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer) nutzen.

-       Müller (DHZ Berlin): Es dauert 6 Jahre für einen Kinderkardiologen, um EMAH-Spezialist zu werden.

(Autor: Prof. Dr. Elisabeth Sticker 2. Vorsitzende BVHK)

(Bearbeitung W.Haase Ergänzung und Zuordnung der teilnehmenden Personen)